Germany > Historisches Archiv in der Stiftung "Deutsches Technikmuseum Berlin" (SDTB)

I.2.060 C

FA 060 AEG-Telefunken C-Akten

deutsch

Scope and content

Bestandsbeschreibung

Einleitung

Am Jahresbeginn 2004 übernahm der Berliner Archivdienst leister „Facts & Files Historisches Forschungsinstitut Berlin“ die Aufgabe, etwa 174 laufende Meter Akten der Telefunken GmbH aus den Jahren 1903 bis 1951 fachgerecht zu verzeichnen sowie archivtechnisch zu bearbeiten. Die Archivalien der am 27.05.1903 gemeinsam durch die AEG und die Siemens & Halske AG in Berlin gegründeten Firma gingen 1996 von der aufgelösten AEG auf die Stiftung Deutsches Technik Museum Berlin (DTMB) über.
Für eine fachgerechte Verzeichnungsarbeit und künftige Nutzung der Quellen wurde durch das Historische Archiv des DTMB die Archivsoftware „Augias 7.4“ eingeführt. Facts & Files entwickelte eine sinnvolle Erschließungsmaske für den Bestand „Firmenarchiv AEG- Telefunken, Telefunken GmbH, Berlin, 1903 - 1951“ (künftig: I.2. 60 C). Bei den archivischen Arbeiten galt es, sich an die Erfahrungen und Regeln des Historischen Archivs sowie eines Erfassungsprojektes für die Spitzenüberlieferung der AEG aus den Jahre 1883 bis 1951 anzulehnen (Bestand: Firmenarchiv AEG-Telefunken, AEG Berlin, 1883 - 1951; künftig: I.2. 60 A). Im Oktober 2004 konnten die archivischen Arbeiten am Bestand abgeschlossenen werden, das vorliegende Findbuch weist 7859 Akten mit den wichtigsten Titelbestandteilen aus.

Der Bestand dokumentiert die Wirtschafts- und Technikgeschichte eines der wichtigsten Elektrounternehmen in Deutschland, dessen wirtschaftlicher Erfolg eng an die politische und militärische Geschichte des Deutschen Reiches, seiner Nachfolgestaaten und Europas gebunden war. Etwa zwei Drittel der überlieferten Akten dokumentieren die Geschichte der Entwicklung, Produktion und des Vertriebs von Elektronenröhren.

Für umfangreichere bzw. speziellere Recherchen ist unbedingt die für den Bestand „Firmenarchiv AEG-Telefunken, Telefunken GmbH, Berlin, 1903 - 1951“ erstellte Datenbank im Historischen Archiv des DTMB zu benutzen.

Institutionsgeschichte des Bestandsbildners 1903 – 1951

Die Gründung der „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH, Berlin“ fand am 27.05.1903 im Berliner Geschäftshaus der Siemens & Halske AG, Askanischer Platz 3 unter Anwesenheit des AEG-Vorstandes Paul Mamroth und des Prokuristen Helmuth Holbein sowie des Geschäftsführers der „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie System Professor Braun und Siemens & Halske GmbH, Berlin“, Wilhelm Bargmann statt. Nach mehrmonatigen Verhandlungen konnten die Vorstände der Muttergesellschaften Emil Rathenau für die AEG und Wilhelm von Siemens für die Siemens & Halske AG die letzten Widerstände des Patentinhabers Professor Adolf Slaby überzeugend beseitigen. Das gemeinsame Unternehmen der ehemaligen Konkurrenzgesellschaften erfuhr im gleichen Jahr seinen Eintrag in das Handelsregister, im Januar 1904 beurkundete das Kaiserliche Patentamt dem Unternehmen seinen Eintrag in die Zeichenrolle. Als Geschäftsfeld umriss der erste Geschäftsvertrag vom 27. Mai 1903 die „Vereinigung der bisher von beiden Gesellschaften getrennt gemachten Versuche auf dem Gebiete der drahtlosen Wellen-Telegraphie und die geschäftliche Betätigung auf diesem Gebiet, namentlich durch den Vertrieb von Apparaten, sowie durch Übernahme von ganzen Einrichtungen für drahtlose Telegraphie zu Wasser und zu Lande“. Mit dem 27. Mai1903 firmierte das Unternehmen als „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH, Berlin“, nach einem Gesellschafterbeschluss vom 17.04.1923 wurde die Firmenbezeichnung in „Telefunken, Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH, Berlin“ verändert. Seit dem 01.06.1954 firmierte das Gesamtunternehmen als „Telefunken GmbH, Berlin“, zum 01.08.1963 wurde die Gesellschaft in die „Telefunken AG“ gewandelt.

Mit der vollständigen Übernahme der Tochtergesellschaft zum 01.07.1966 auf die AEG verbanden sich die Markennamen u.a. in der Firmenbezeichnung „AEG-Telefunken AG“ bis 1985 werbewirksam. Mit der Neugestaltung der AEG im Jahre 1985 und dem Übernahme auf die Daimler-Benz AG, schien der Schlusspunkt der international eingeführten Schutzmarke „Telefunken“ gekommen zu sein. Jedoch behauptet sich seit 1990 die heutige „Telefunken Sendertechnik AG, Berlin“ als Hersteller digitaler Rundfunkstationen unter dem traditionsreichen Namen.

Galt es für die junge Firma einen bereits 1902 durch die AEG erworbenen Auftrag der Kaiserlichen Marine für Schiffsstationen auszuführen, überzeugten die funktelegraphischen Führungsmittel aus den Laboratorien und Werkstätten der Telefunken GmbH recht bald bei militärischen Einsätzen des Heeres und der sich entwickelnden Luftwaffe. So verwandten deutsche Kolonialkräfte fahrbare Funkstationen der Gesellschaft im Feldzug gegen die Hereros. Stationen des Berliner Unternehmens und seiner Konkurrenten - Lorenz und Huth - ermöglichten während des I. Weltkrieges die kabellose Führung von Einheiten im Stellungskrieg der Westfront oder im Luftkrieg und ersetzten zunehmend die drahtgebundenen Nachrichtensysteme. Nach dem Versailler Vertrag, der neben einer drastischen Truppenreduzierung auch das Verbot leistungsfähiger Funkeinrichtungen für das Militär beinhaltete, mussten sich die Telefunken-Gesellschaften neue Geschäftsfelder erschließen.

Diese fand man im sich in den zwanziger Jahren entwickelnden Rundfunkgeschäft, für welches in den Berliner Laboratorien neben den bekannten Sendeanlagen auch die Empfangsgeräte entwickelt wurden, die man unter den verschiedensten Marken in den Werken der Muttergesellschaften AEG sowie Siemens & Halske AG fertigen ließ. Den von Telefunken propagierten hohen Qualitätsansprüchen konnten die Auftragsnehmer nicht immer gerecht werden, auch schmälerten die hohen Gestellungskosten den kaufmännischen Erfolg, so dass der Wunsch nach unternehmenseigenen Produktionsstätten für Bauelemente und Geräte zunehmend wuchs. Einen Schlag musste das Unternehmen hinnehmen, als sich die Weimarer Republik gegen den Betrieb privater Rundfunksender wandte und dieses Geschäft in den Händen der Reichspost verblieb. Seit 1932 trat Telefunken nach der Übernahme der Deutschen Ultraphon AG unter der Marke „Telefunkenplatte“ zudem als Produzent von Schallplatten auf. Erst mit sicheren Geschäften im Rahmen der Aufrüstung und hierfür vergebenen Krediten u.a. durch das Reichsluftfahrtministerium konnte sich Telefunken eigene Produktionsstätten für Geräte und Bauteile errichten. Zum 01.07.1939 übernahm die Telefunken von der Osram GmbH KG das Röhrenwerk in Berlin, Sickingenstrasse 71, einschließlich der Werksleitung und einem hohen Personalanteil in seinen Geschäftsbereich.

Parallel dazu konnte die Telefunken GmbH bereits das vor dem I. Weltkrieg begonnene Geschäft mit der drahtlosen Wort- und Bildtelegrafie ausbauen. Bereits 1906 legte die Gesellschaft mit seiner als „Versuchsstation“ bei Nauen errichteten Station den Grundstein für das erfolgreiche Sendergeschäft. Einem weltumspannenden Netz funktelegraphischer Stationen aus dem Hause Telefunken, wie bereits 1912 vom Großen Generalstab der Kaiserlichen Armee gefordert, standen die politischen und wirtschaftlichen Realitäten der Zwischenkriegszeit entgegen. Nur mit Mühe und Vertriebsgeschick konnte das Unternehmen in von Marconi-Gesellschaften und US-Unternehmen bestimmte Märkte eindringen. Den Betrieb der Funkdienststellen in Beelitz, Geltow, Königs Wusterhausen und Nauen führte ebenfalls die Deutsche Reichspost. Weitere Geschäftsfelder, wie die Hochfrequenztelefonie, Luftnavigation oder Zugfunk sicherten dem Unternehmen den für das Überleben notwendigen Gewinn.

Dem Telefunken-Konzern gelang es früh, am Modernisierungsschub einer aufstrebenden Unterhaltungsindustrie in Europa zu partizipieren. Mittels einer geschickten Lizenz- und Patentpolitik verdiente Telefunken bei einer Marktabdeckung von ca. 10 % mit an den Verkäufen von Rundfunk- und anderen Phonogeräten der Konkurrenzmarken Mende und Blaupunkt. Die Eigenentwicklungen von Schallplattenspielern, Tonfilmverfahren und Radios halfen somit der Premiummarke „Telefunken“ ebenso über die Weltwirtschaftskrise, wie die frühen Geschäftskontakte in die USA und zum aufstrebenden Japan. Hier generierte man wichtige Deviseneinnahmen und gewann Vorsprung durch Technologietransfer gegenüber deutschen Mitbewerbern.

Hochtechnologieprodukte der Telefunken GmbH zur drahtlosen Kommunikation für die modernsten Waffengattungen der deutschen Blitzkriegsstrategie - Luft-, Panzer- und U-Boot- Waffe - sicherten dem Unternehmen im Rahmen der Wiederaufrüstung unter dem NS- Regime einen erheblichen Umsatzsprung. Mit der Unterstützung des Reichsluftfahrtministeriums unter Hermann Göring siedelte 1937 das Unternehmen in eine neuerrichtete Konzernzentrale nach Berlin-Zehlendorf, Osteweg/Vierter Ring um. Dem direkt am geplanten Ring der Reichsautobahn um Berlin verkehrsgünstig angesiedelten Stammsitz des Konzerns waren großzügige Produktionsstätten des neuen Gerätewerkes Berlin, wichtige Laboratorien und Prüffelder angeschlossen. Auf diesem Gelände entstand während des Krieges das geheime Gerätewerk „F“, später wurden hier Zwangsarbeiter in separaten Barackenkomplexen untergebracht. Etwa die Hälfte der Belegschaft von zuletzt fast 40.000 Personen arbeiteten auf diesem Areal.

Neben den klassischen Mitteln der Funkkommunikation und Geräten für die Navigation in der Luftfahrt, entwickelten die für Telefunken verpflichteten Forscher und vom Kriegsdienst befreiten „Fronturlauber“ Verfahren für den Richtfunk, Funkmessgeräte und Peilanlagen u.a. für den U-Boot-Krieg. Hoffnungen an der von Reichsminister Joseph Goebbels und weiteren NS-Dienststellen eröffneten Propagandaschlacht geschäftlich zu partizipieren, erfüllten sich nur teilweise, obgleich das Unternehmen werbewirksam Lautsprecheranlagen auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und dem Olympiasportfeld in Berlin installieren konnte. Der in der Wehrmacht ausgelöste Modernisierungsschub sowie der durch den Kriegsverlauf bedingte hohe Ausfall an Panzern, Flugzeugen und U-Booten erforderten einen ständig steigenden Produktionsausstoß. Zugleich drangen mit dem NS-Regime befreundete Staaten auf die Ausstattung ihrer Armeen mit deutschen Rüstungsgütern. Selbst neutrale Staaten erwarben angesichts steigender Kriegsgefahren Funkmesstechnik und Funkstationen der Telefunken GmbH für den Verteidigungsfall. So gelang es, während des Krieges mit Hilfe wichtiger Fürsprecher die „Patenschaft“ über die Produktionsstätten von ehemaligen Konkurrenten, wie Philips, Tungsram und weiterer Unternehmen sowie deren Rohstofflager in den besetzten Gebieten Ost- und Westeuropas zu übernehmen.

Das Unternehmen richtete sich immer stärker nach den Wünschen seiner militärischen Hauptabnehmer aus; so verschmolzen Reparaturwerkstätten der Wehrmacht mit den von Telefunken betriebenen Stützpunkten. 1940 richtete die Telefunken GmbH im besetzen Polen das Gerätewerk Posen „für besondere Fertigung von Luftfahrtgerät“ ein, 1942 folgte eine Großwerkstatt unter der Tarnbezeichnung Gerätewerk „Heinrich“ im rückwärtigen Heeresgebiet Minsk. Aus ähnlichen Gründen ließ Telefunken seit September 1942 in Riga ein neues Gerätewerk aufbauen. Unter Aufsicht von Vorständen des Röhrenwerkes Berlin richteten Techniker der Telefunken in Liegnitz, Litzmannstadt, Prag und Reichenbach neue Produktionsstätten ein. Der über Deutschland geführte Luftkrieg und die Atlantikschlacht zwang, die deutsche Rüstungswirtschaft unter Albert Speer, die Entwicklung und Produktion funkelektronischer Abwehrmitteln im Rahmen einer „Sonderkommission für Funkmesstechnik“ zu beschleunigen.

Mit dem Vertrag vom 24.09.1941 übernahm die AEG, ebenfalls auf Wunsch der Wehrwirtschaft nach effizienten Führungsstrukturen im Unternehmen, die bis dahin von der Siemens & Halske AG gehaltenen 50 % des Stammkapitals von 20 Millionen RM - „Telefunken-Transaktion“ - . Im Gegenzug trennte sich die AEG von ihren Anteilen an der Vereinigten Eisenbahn-Signal-Werke GmbH (VES), Berlin, der Klangfilm GmbH, Berlin sowie der Deutschen Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegrafie (DEBEG), Berlin.

Alliierte Luftschläge auf Hamburg und Berlin führten seit dem Sommer 1943 zu einer „Auflockerung“ des wichtigsten Produktionsstandortes der deutschen Elektroindustrie Berlin. Nach einem allgemeinen Führerbefehl verlagerte das Unternehmen zunehmend wichtige Produktionsteile, Laboratorien und Archive von Berlin nach Schlesien, in das Sudetengebiet sowie an die weniger luftkriegsgefährdeten Produktionsstandorte in Neuhaus am Rennweg oder Erfurt. Auf dem Gelände der ehemaligen Ausstellungshallen in Breslau siedelte man im Spätsommer 1943 einen Teil des Gerätwerkes Berlin an, in welchem u.a. zwangsverpflichtete Juden aus Riga Wehrmachtsgeräte reparieren mussten. In und um Berlin bezogen Techniker und Produktionsarbeiter Bunkeranlagen wie „Lore I“ – „Lore IV“ oder „Erika“, um kriegswichtige Bauelemente trotz des Bombenkrieges fertigen zu können. Zum Kriegsende verzeichnete die Haus- und Grundstücksverwaltung mehr als 600 eigenständig Produktionsstandorte, Ausweichquartiere und Lagerplätze. Trotz aller Bemühungen von Seiten des Personals und der Geschäftsleitung erlitt die Telefunken GmbH erhebliche Verluste während des Bombenkrieges, bei der erneuten Räumung der Produktionsstätten vor der russischen Front aus dem Osten sowie bei Kampfhandlungen und Plünderungen am Kriegsende.

Bereits mit Kriegsbeginn bemühte sich das Unternehmen verstärkt um Arbeitskräfte für die stetig ansteigenden Auftragseingänge. Genügten anfänglich jene Kräfte, welche durch die Arbeitspflicht für Frauen und das Anlernen Berufsfremder gewonnen werden konnten, ersetzte die Telefunken GmbH zum Kriegsdienst eingezogene Männer durch französische oder russische Kriegsgefangene, aus Frankreich, Italien, Polen und der Slowakei angeworbene Fremdarbeiter und der „dienstverpflichteten Juden“. Dies galt auch für die in den besetzten Gebieten überwachten „Patenbetriebe“ und ausgewichenen Fertigungsstrecken der Stammwerke. Untergebracht wurden die Zwangsarbeiter oder von der SS übernommenen KZ-Häftlinge in unternehmenseigenen sowie angemieteten Barackenlagern oder in Sammelquartieren der Deutschen Arbeitsfront.

Mit dem Kriegsende übernahmen die Alliierten Armeen die Kontrolle über die Telefunken GmbH als Rüstungslieferanten von besonderer Wichtigkeit. Einrichtungen von Laboren und Fertigungsstätten wurden systematisch untersucht, leitendes Personal verhaftet und verhört, Geräte oder Prototypen der Telefunken demontiert, Produktlager sowie Materialvorräte eingezogen. Am Tag der deutschen Kapitulation waren zentrale Fertigungseinrichtungen des Unternehmens entweder zerstört, lagen außerhalb des deutschen Territoriums in Tschechien und Polen oder unterlagen der Sequester alliierter Dienststellen. Zudem verboten alliierte Gesetze Fertigung, Vertrieb und Besitz militärisch nutzbarer Produkte in Deutschland. In dieser Zeit sicherten sich Telefunken-Mitarbeiter mittels Kleinstreparaturen und atypischer Produkte ein Einkommen und ihrem Unternehmen den Übergang in den Wirtschaftsaufschwung des Nachkriegsdeutschlands.

Im zerstörten Nachkriegsdeutschland erwiesen sich die ersten Hoffnungen der Geschäftsleitung auf einen reibungslosen Übergang in die Friedensproduktion als trügerisch. Ein Geschäftsverkehr über die alliierten Zonengrenzen hinweg erwies sich als schwierig, nach der Währungsreform war dieser kaum noch sinnvoll möglich. Aufgrund alliierter Weisungen kam der internationale Geschäftsverkehr fast vollständig zum Erliegen, firmeneigene Devisenreserven waren bis zur Entlassung der Telefunken GmbH aus der US- Vermögenskontrolle zum 02.07.1949 blockiert. In Berlin musste jede Auslieferung einer Röhre über 10 Watt durch britische Kontrolloffiziere genehmigt werden. Die in die ehemalige Konzernzentrale in Berlin-Zehlendorf eingezogenen US-Truppen verblieben im wenig zerstörten Gebäudekomplex und verließen erst 1994 die „McNiar“-Kaserne. Technische Unterlagen und Versuchsergebnisse waren zerstreut oder in Verlust geraten, Fachpersonal teilweise in Gefangenschaft. Ausstehende Lizenzzahlungen belasteten die Bilanzen ebenso, wie die erheblichen Altforderungen ehemaliger Lieferanten aus dem Kriegsgeschäft. In diesem Umfeld entschloss sich der Vorstand der Telefunken GmbH in der zweiten Jahreshälfte 1946 zu einer Teilung der Geschäftsführung in eine Zentrale Ost, welche in Berlin verblieb und in eine Zentrale West, welche zuletzt von Stuttgart aus die Interessen des Unternehmens in den Westzonen vertrat. In Aussicht gestellte Großaufträge der sowjetischen Besatzungsmacht, so das Projekt einer neu zu errichtenden Röhrenfabrik in Ost-Berlin, konnten nur ansatzweise umgesetzt werden. Stattdessen verlor das Unternehmen in der sowjetisch besetzten Zone sowie die mit ihr vertraglich verbundenen Rundfunkgeschäfte sämtlichen Besitz und alle Lieferantenverträge, zugleich fielen Lizenzgebühren aus der SBZ/DDR fast völlig aus. Die Telefunken-Werke in Erfurt und Neuhaus gingen im staatseigenen VEB Radio und Fernmeldetechnik (RFT) auf.

Zum Jahreswechsel 1949/1950 war das Unternehmen ernstlich in seinem Bestand bedroht. Erst harte Rationalisierungsmaßnahmen am Personalbestand, in der Produktion und die Reorganisation der Geschäftsbereiche retteten die AEG-Tochter. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen etwa 45 % seiner Produktion von 1938 erreicht. Zur gleich Zeiten konnte sich die Telefunken GmbH erfolgreich an der Einführung des UKW-Rundfunks und dem Start der Fernsehversorgung durch den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) Hamburg beteiligen und sicherte sich hierbei einen entscheidenden Marktanteil als Ausstatter für Studio- und Sendertechnik. Jenes Geschäftfeld verhalf dem Gerätewerk für Rundfunk- und Fernsehgeräte am Standort Hannover zum Erfolg.

In jenen Jahren führte der Kalte Krieg in Europa sowie der Koreakrieg das Unternehmen in die Reihen der wichtigen deutschen Rüstungslieferanten zurück. So belieferte die Telefunken GmbH neben der NATO nun die junge Bundeswehr u.a. mit Sender- und Radartechnik. Weniger erfolgreich agierte das Unternehmen unter Anleitung der AEG und seiner traditionell der Röhrentechnik verbundenen Vorstände bei Einführung der Halbleiter- Transitorentechnik.

Mitte der 50er Jahre holte eine langjährige Lizenz-Auseinandersetzung die Telefunken AG ein. Dem Mitbewerber Philips gelang es 1954 ein Schiedsverfahren wegen nicht bezahlter Lizenzgebühren aus dem Röhrengeschäft seit dem II. Weltkrieges in der Schweiz anzustrengen. Die Telefunken-Anwälte konnten gemeinsam mit dem Hamburger Wirtschaftsjuristen Martin Luther und dem mit dem Unternehmen langjährig verbunden Schweizer Rechtsanwalt Jenny, den Bundesrichter Leuch bis zum November 1958 von ihren Position überzeugen. Nach Zahlungen des nennenswerten Betrages von 338.169,05 sfr. zzgl. Zinsen an Philips verglichen sich die Unternehmen, eine im Raum stehende Forderung von Philips hätte bereits damals das wirtschaftliche Aus des deutschen Technologieunternehmens bedeutet.

Beteiligungsgesellschaften

Seit Oktober 1941 verfügte die Telefunken GmbH über nachfolgende wichtige Beteiligungsgesellschaften:

Deutsche Zentral-Rundfunk-Vermittlungsgesellschaft mbH (DZRV), Berlin Dr. Erich F. Huth GmbH, Berlin Telefunkenplatte GmbH, Berlin Companhia Radiotelegrafica Argentina Transradio SA, Buenos Aires Companhia Radiotelegraphica Brasileira SA (CRB), Rio de Janeiro Italo Radio Società Italiana per i Servici Radioelettrici (Italo Radio), Rom Musen Denshin Denwa Kabushiki Kaisha, Tokio-Osaki Société Anonyme Internationale de Télégraphie sans Fil (SAIT), Bruxelles Radio Austria AG, Wien Telefunken AG für drahtlose Technik, Prag Telefunken France SA, Paris Telefunken Radiotecnica Iberica SA Getafe, Madrid Telefunken SA, Brüssel Telefunken Zürich AG, Zürich Transradio Chilena Cia. de Radiotelegrafica Ltda. (TC), Santiago de Chile

Die Telefunken GmbH betrieb zwischen 1940 und 1945 über 364 eigenständigen Produktions- und Lagerstätten, die wichtigsten waren:

Gerätewerke in:
Berlin (GWB und „F“), Breslau („M“ oder GWBr), Erfurt (GWE), Minsk („Heinrich“), Posen (GWP), Reval (GWRe) und Riga (GWRi)

Röhrenwerke in:
Berlin (RöWB), Erfurt (RöWE), Liegnitz („Maresi“), Litzmannstadt (RöWL I und II), Neuhaus am Rennweg (RöWN), Prag (RöWP), Reichenbach (RöWR)

Geschäftstellen und Auslieferungslager (GS) in:
Berlin, Bremen, Breslau, Cottbus, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Erfurt, Essen, Frankfurt/Main, Gleiwitz, Graz, Hamburg, Hannover, Innsbruck, Köln, Königsberg, Leipzig/Geithain, Linz, Mannheim, München, Nürnberg, Posen, Reichenberg, Schwerin, Stettin, Stuttgart, Wien

Tarngesellschaften der Telefunken GmbH während des II. Weltkrieges

Gerätewerk „F“ in Berlin Gerätewerk „M“ in Breslau Gerätewerk „Heinrich“ in Minsk Elektrovertrieb GmbH, Freystadt/Schlesien Friesewerk GmbH, Mährisch-Schönberg Industriewerk GmbH, Mährisch-Trübau Liegnitzer Keramische Werkstätten GmbH ("Maresi"), Liegnitz Niederlausitzer Zerlegungswerkstätten GmbH, Schönwalde und Linderode Rundfunkvertrieb GmbH, Grünberg/Schlesien Schlesische Betriebs GmbH, Serffendorf "Schwarza Werk", Scheibenberg/Erzgebirge "Stollberger Werkstätten", Stollberg/Sachsen

Aktenbildungsprozesse und Firmenregistratur bei der Telefunken GmbH

Trotz intensiver Recherchen konnten nur für Teile der Telefunkenregistratur wichtige zeittypische Verwaltungsanordnungen und Nachweise über eine zentralen Aktenführung ermittelt werden. Mit der Verlagerung der Konzernzentrale nach Berlin-Zehlendorf und der sich anschließenden Neugestaltung der Geschäftsführung im Gesamtunternehmen, scheint offenbar die bis dahin in der Verwaltungspraxis prägende Aktenhaltung einer traditionellen Zentralregistratur in Fortfall geraten zu sein. Alle überlieferten Aktenstücke aus späteren Jahren weisen keine äußeren Merkmale einer solchen zentralen Registraturführung auf, ebenso konnten keine hierfür notwendigerweise vorhandenen Handlungsanweisungen aufgefunden werden. Vielmehr scheinen die Geschäftsbereiche, Abteilungen der Zentralverwaltung, Werke, Laborvorstände sowie regionale Geschäftsstellen und die im Rahmen der Wiederaufrüstung entstehenden Produktionsstätten jeweils eigenständige Ablageformen entwickelt zu haben. Dennoch bewegte sich die Aktenführung im Rahmen handelsrechtlicher und fiskalischer Normen, sie spiegelt zugleich aber auch persönliche Erfahrungen und Neigungen der verantwortlichen Prove nienzbildner wider. Üblich im Gesamtunternehmen war die kaufmännische Ablage, Korrespondenzen wurden entweder alphabetisch und Jahrgangsweise oder sachthematisch abgelegt. Produktionsvorschriften, Laborergebnisse, Datensammlungen und Werbemittel wurden typenbezogen gesammelt und dezentral verwahrt. Interne Berichte und Laborprotokolle erhielten spezielle Nummernsysteme. Für Patentakten vergab die Patentverwaltung im internen Geschäftsverkehr sogenannte „Rep[ositur].-Nummern“, diese und spezielle Signaturen für Unterlagen über Gebrauchs- und Geschmacksmuster wiesen die Anwälte in besonderen Kladden nach.

Zu den wenigen aktenbildenden Bereichen mit einer fast behördenartigen Registraturführung gehört das der Abteilung für Verträge zugewiesene Vertragsarchiv des Gesamtunternehmens. Durch Aktenverzeichnisse und eine an klassische Behördensysteme angelehnte Registratur gelang es den Bearbeitern 2004 das „geheime“ Vertragsarchiv des Unternehmens über weite Teile zu rekonstruieren und in seiner historischen Gruppenordnung wieder herzustellen. Einige Akten gerieten im II. Weltkrieg und in Folge eines späteren Wasserschadens in Verlust, andere Verträge wurden bei Veräußerungen von Beteiligungen (z.B. der Großstation Nauen oder Telefunkenplatte GmbH) oder interner Reorganisation (z.B. Abgabe der Grundstücksakten an die Haus- und Grundstücksverwaltung) bereits zu einem früheren Zeitpunkt herausgelöst oder an die entsprechenden neuen Eigentümer verkaufter Gesellschaften weitergereicht. Akten zu auslaufenden Verträgen wurden auf der Tektur deutlich als „gelöscht am [Datum]“ bezeichnet; die Stücke selbst wurden dagegen dauerhaft archiviert.

Erleichtert wurde jenes vielfältige Ordnungsverfahren durch den Gebrauch der modernsten Büroorganisationsmittel jener Zeit, dem Stehordner oder Schnellhefter in der Schrifttumsverwaltung. Die um 1925 im Geschäftsverkehr eingeführten Stehordner erhielten gleichförmige Rückenschilder mit der Aufschrift „Telefunken“. In der modernisierten Zentralverwaltung der Telefunken GmbH bediente man sich seit Mitte der 30er Jahre einheitlich vorgedruckter Schnellhefter, welche die fadengehefteten oder durch Buchbinder behandelten Akten der frühen Geschäftsjahre ablösten. Als Nachweismittel für den Geschäftsverkehr führte man in den entsprechenden Abteilungen mutmaßlich Steilkarteien; fest gebundene Journale fanden sich nur im Bereich der Buchhaltung. Damit wichtige Dokumente durch verschiedene Personen zur Kenntnis genommen werden konnten, gab man diese Schriftsätze in den Umlauf oder ließ in einer unternehmenseignen Bildstelle die erforderliche Anzahl von Fotokopien anfertigen. Wichtige Dokumente, Verträge und Korrespondenzen, welche Vorstandsmitglieder und Verhandlungsführer auf Reisen mitführten, wurden seit Anfang der 30er Jahre ebenfalls fotokopiert. Parallel dazu bediente man sich für die Vervielfältigung von Informationen im Unternehmen der in den Konstruktionsbereichen verwandte Lichtpausetechnik.

In den kaufmännischen Bereichen des Unternehmens erfolgte die Finanzverwaltung über Kostenstellen, Kunden- und/oder Auftragsnummern, gleiches galt für die Überwachung der Forschungsausgaben. Typisierte Berichte oder Kurzmitteilungen, umfangreiche Formulare, Arbeits- und Laufzettel sowie typenbezogene Produktionsvorschriften (z.B. Pumpvorschriften, Bestückungslisten) regulierten den vom Vorstand für notwendig gehaltenen internen Informationsfluss.
Lizenznehmer, Reparaturdienststellen und Kunden von Telefunken-Geräten erhielten fein abgestufte Bedienungsanleitungen, technische Mitteilungen und ergänzende Rundschreiben vertraulich ausgehändigt. Eine besondere Sammlung solcher Bedingungshandbücher u nd Anleitungen bildet die durch alliierte Militäreinhei ten während des II. Weltkrieges in Geschäftsstellen, Frontreparaturwerkstätten und Wehrma chtseinheiten erbeuteten Handreichungen für Telefunken-Geräte. Nach einer ausführlichen technischen Begutachtung durch US-Experten bis in das Jahr 1948 hinein, gelangten jene Unterlagen in den 60er oder 70er Jahren im Rahmen allgemeiner Archivalienrückführung nach Deutschland und somit in den Besitz des Telefunken-Archives zurück.

Überlieferungsgeschichte des vorliegenden Bestandes

Eine ausführliche Geschichte der Firmenbestände der AEG-Telefunken liegt bisher noch nicht vor und wird erst im Rahmen weiterer Verzeichnungsarbeiten im Historischen Archiv des DTMB erstellt werden können. Kriegsverluste, gewöhnliche Kassationen, allgemeine Unaufmerksamkeiten gegenüber alten Akten sowie mehrere Wasserschäden in den Archivdepots haben die Quellen der Telefunken GmbH bis zum Jahre 2004 erheblich reduziert. Zudem dürften sich noch heute Unterlagen des Unternehmens als Beuteakten in der Verwahrung alliierter Armeen oder deren Nachfolgeeinrichtungen befinden. Wie viele Altakten bereits bei der Räumung der Zentralestelle in Berlin-Zehlendorf und an den anderen Standorten 1945 von den Alliierten entfremdet worden waren oder verbrannten, ist heute völlig unbekannt. Das Vertragsarchiv, in das Schulhaus Kriele in der Nähe des Gutes Landin / Westhavelland ausgelagert, überstand die Wirren des Nachkrieges und blieb selbst bis zum Ende der 50er Jahre in Funktion. Aktensplitter der im Nachbargut untergebrachten Buchhaltung des Geschäftsbereichs Funk-Nachrichtenwesen und Navigation könnten den Kern der unten näher bezeichneten Serie kaufmännischer „Altforderung“ gebildet haben. In Berlin verbliebene Patentunterlagen des Unternehmens gingen in die Hände alliierter Behörden über und fehlen, bis auf wenige Ausnahmen, noch immer. Nur auf schmale Altvorgänge konnten die erfahren Juristen und Patentanwälte Johannesson, von Henk und Lux bei der Wiederaufnahme der Geschäfte nach dem Krieg zurückgreifen.

Zentrale Weisungen über die Vernichtung geheimer Akten während des Rückzuges und nach dem Krieg hatten den fast vollständigen Verlust technischer Unterlagen aus der Gerätefertigung und eine Mehrzahl wichtiger Forschungsunterlagen zur Folge. Bereits wenige Wochen nach dem Kriegsende begannen Telefunken-Mitarbeiter mit der Rekonstruktion des technischen Wissens im Unternehmen. In privaten Rettungsaktionen hatten sie derartige unternehmenshistorisch und technikgeschichtlich wichtige Quellen gesichert. Dagegen wurden die Personalakten des Nachkrieges (mit zwei Ausnahmen) durch den Rechtsnachfolger AEG fast vollständig vernichtet, nachdem die für die Rentenberechnung notwendigen Daten gesichert worden waren. Als Ersatz können die im Vertragsarchiv überlieferten Mitarbeiterverträge über die Verwertung von Schutzrechten mit leitenden Angestellten und Forschern, Organigramme und Erinnerungsberichte beigezogen werden.

1965 richtete die Telefunken AG ein Unternehmensarchiv in Hannover ein, welches als Teil der Unternehmenskommunikation historische Geräte, Fotos und Schriftstücke präsentierte. Mit der Leitung der ersten Sammlung wurde der Redakteur Reinhold Hahn betreut, der die Sammlung 1969 nach Braunschweig überführte. Bereits in dieser Zeit erwiesen sich die in Deutschland zerstreuten Standorte als Hindernis für eine gezielte Übernahme wertvoller Altakten. Handelsrechtlich verfristete Unternehmensakten, interne Schriften und Quellen aus privater Hand fanden nach privaten Initiativen den Weg in das Historische Archiv. Jenes Museum ging in die Unternehmenshistorische Sammlung der AEG in Frankfurt/Main auf, nachdem 1983 das historische Gebäude in Braunschweig geräumt werden musste. Die wenigen Mitarbeiter bemühten sich um eine Sicherung historischer Produkte, Werbemittel, Fotos und Akten innerhalb und außerhalb des fusionierten Groß-Unternehmens.

Nach langwierigen Verhandlungen übernahm am 14.05.1997 der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, offiziell die musealen Sammlungen und Archive der AEG sowie aller hier eingegangenen Tochterunternehmen und Beteiligungen einschließlich des Archivs der Telefunken GmbH/AG für das Land Berlin während eines Festaktes aus den Händen der EHG Eletroholding GmbH, Frankfurt/Main. Eingang fanden die historisch wertvollen Sammlungen und Artefakte zweier in der Stadt Berlin gegründeter, wichtigen Unternehmen der deutschen Elektroindustrie in die Sammlungen des Technikmuseums der Stadt. Für die etwa 4500 laufenden Meter Archivalien aus dem Firmenarchiv der AEG- Telefunken zeichnete das Historische Archiv des Museums zuständig (Acc. 1996/156). Als ersten Schritt der archivischen Bearbeitung gelang einem von der VW-Stiftung geförderten Projekt in den Jahren 2001 bis 2003 die Erschließung von etwa 150 laufenden Metern zentraler AEG-Überlieferungen der Jahre zwischen 1883 und 1951. Das hierbei erstellte Findmittel liegt seit Oktober 2003 vor; das seiner Zeit erstellte Datensystem konnte Mitte 2004 in das aktuelle Archivprogramm „Augias 7.4“ überführt werden.

Bei den oben genannten Ordnungs- und Verzeichnisarbeiten fielen ca. 174 laufende Meter historischer Quellen an, deren Provenienz der Telefunken GmbH oder einer ihrer Tochterunternehmen zugeordnet werden konnte. In Anlehnung an das Erschließungsprojekt der AEG-Unterlagen setzte die archivarische Erfassung der historischen Akten der Telefunken GmbH/AG in einer Datenbank mit der Gründung des Unternehmens im Jahre 1903 ein und erfasste alle Unterlagen bis zum Jahresende 1951. Dieser zeitliche Rahmen wurde von den Bearbeitern nur dann überschritten, wenn sich der Akteninhalt auf wichtige historische Ereignisse des genannten Zeitraums bezogen oder es zu wenig sinnvollen Aufspaltungen der Quellen oder ganzer Aktenserien geführt hätte.

Mit Beginn der ersten Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten am Jahresanfang 2004 sonderte Facts & Files fremde Provenienzen und Akten der Telefunken GmbH/AG mit einer Laufzeit nach dem Jahre 1951 aus. Dies erfolgte auch für bestandsfremdes Sammlungsgut, wie Bibliotheksexemplare, Firmenschriften und Fotos, sofern hierdurch kein Verlust wichtiger Informationszusammenhänge zu befürchten war. Bereits in einer frühen Arbeitsphase gelang es dem Projektteam, Akten der Magnetophon GmbH, Berlin, private Unterlagen von Dr. Hans Heyne sowie Akten verschiedener AEG-Provenienzen zu extrahieren.

Im Gegensatz zu den vielfach überformten und mit diversen Beifügungen von späterer Hand vermengten Unterlagen der AEG, befanden sich die Firmenakten der Telefunken GmbH häufig noch in ihrem originalen Zustand. Vielfach konnte sogar die historische Tektur der Aktenbände (Aktendeckel) gesichert werden. Ausnahme bildeten spätere thematische Kompositionen der Firmenarchivare oder privater Sammler wie die Mappen zu Großsendern, den Ortungsverfahren, der Röhrenfertigung oder zur Geschichte des Unternehmens selbst. Dagegen waren sehr häufig die historischen Bandserien in der bis 2003 gültigen Archivreihung gestört, diese galt es im Rahmen der Verzeichnungsarbeiten durch das Projektteam von Facts & Files, sofern möglich, wieder herzustellen. Daher wurden Registratursignaturen und Bandzählungen mit in das Datensystem aufgenommen und recht früh für die Bestandsordnung beigezogen. Starke Aktenbände wurden aus konservatorischen Gründen gespalten, ihre historische Reihung ist durch neu vergebene Bandnummern gesichert. Alle aus konservatorischen Gründen gespaltenen Aktenbände sind zudem durch eine gemeinsame Altsignatur im Datensystem erfasst. Die vorgefundene innere Ordnung aller Quellen wurde zumeist von den Bearbeitern respektiert und durch eine Seitenzählung gesichert. Erkennbare Zerstörungen der inneren Ordnung von Vorgängen, Schrift- oder Zeichnungssätzen wurden vorsichtig revidiert.

Benutzungshinweise zum Bestand

Das durch Facts & Files entworfene Ordnungsschema bildet die vertikale Struktur des Unternehmens der Jahre 1930 bis 1951 ab. Sie ist gleichzeitig ein Versuch, den Provenienzbildner – die Telefunken GmbH - in seiner historischen Organisationsstruktur abzubilden. Thematisches Sammlungsgut oder andere unternehmenshistorische Quellen, finden sich, sofern für jene Stücke keine sinnvolle oder eigenständigen Provenienz bestimmt werden konnte, unter dem Gliederungspunkt „11. Unternehmenshistorische Sammlung der Telefunken GmbH/AG“
In den o.g. Jahren fiel die Mehrzahl des im Bestand überlieferten Schriftgutes an: ältere Unterlagen fanden sich zumeist im Vertragsarchiv des Unternehmens, entstammten den Registraturen des 1939 von der Osram GmbH KG Berlin übernommenen Röhrenwerkes Berlin, liegen als spätere Abschrift vor oder gingen als Teil sachthematischer Sammlungen in das Unternehmensarchiv ein.

Das geheime Vertragsarchiv des Gesamtunternehmens konnte auf Grund vorhandener Aktenverzeichnisse und Registratursignaturen über weite Teile rekonstruiert werden. Nur bei der inneren Ordnung aller übernommenen Klassifikation der historischen Archivstruktur entschieden sich die Bearbeiter gegen die Übernahme gegebener Akzessionsfolgen. Mit dem Ziel einer besseren Benutzbarkeit wurden die Serien in alphabetischer Ordnung neu abgelegt, dies ermöglicht dem heutigen Benutzer das schnellere Auffinden relevanter Personen oder Geschäftspartner unter den zahlreichen Akten. Bei Bedarf wurden jeweils für natürliche Personen (Forscher, Patentinhaber und Erfinder) und juristische Personen (Unternehmen, Universitäten und Behörden) eigenständige Unterserien aufgebaut. Für eine Rekonstruktion weiterer historischer Zusammenhänge der verschiedenartigen Aktenvorgänge und des internen Verweissystems der Telefunken-Registratoren kann auf die überlieferten Hilfsmittel des Vertragsarchivs (z.B. Aktenverzeichnisse) sowie die Archivdatenbank des DTMB zurückgegriffen werden.

Im Rahmen besonderer Geschäfte und Verhandlungen griffen Vorstände und Juristen in der Unternehmensgeschichte wiederholt auf Altunterlagen verschiedener Provenienzen der Vorkriegs- und Kriegszeit zu und formierten diese zu neuen Akten. Dies galt insbesondere bei der Abwicklung von Forderungen von Lieferanten aus den letzten beiden Kriegsjahren (den sogenannten Forderungen aus dem „Alten Geschäft“) oder für juristischen Verfahren, insbesondere beim Schiedsgerichtsverfahren Philips ./. Telefunken. Daher enthalten solche Serien, wie die zur Abwicklung des „Altgeschäftes“ der Finanzabteilung über weite Teile auch von Mitarbeitern geborgene Unterlagen kaufmännischer und technischer Abteilungen der Geschäftsbereiche Funk-Nachrichtenwesen und Navigation sowie Röhren mit dem In- und Ausland aus der Kriegszeit. Unter ähnlichen Bedingungen griff die Zentralverwaltung bei der Reorganisation des Gesamtunternehmens nach dem II. Weltkrieg auf die Altunterlagen der vormaligen Filialverwaltung im Geschäftsbereich Rundfunk, welche durch die Geschäftsstelle Berlin gerettet worden waren, zurück und formierte diese zu neuen Aktenserien. Alle jene von der Telefunken GmbH derartig neu gestalteten Quellen wurden in ihrer letzten überlieferten Fassung erhalten und können mit Hilfe des heutigen Erschließungszustandes weit über den damaligen Erstellungszweck hinaus benutzt werden.
Jubiläen der Gesellschaft oder solche von prominenten Persönlichkeiten führten in der Unternehmensgeschichte der Telefunken GmbH/AG immer wieder zur Sammlungen historischer Quellen, Reihungen persönlicher Aufzeichnungen sowie zur Befragungen von ehemaligen Mitarbeitern. Deren Auskünfte, Zuschriften, eingereichte Unterlagen oder Sammlungen bilden von je her einen wichtigen Teil des traditionell im Unternehmen gepflegten Selbstbildes mit auffällig vielen historischen Rückgriffen. Zudem trat die Telefunken GmbH regelmäßig mit aufwendig gestalteten Jubiläumsschriften oder Chroniken an die Öffentlichkeit. Daneben bediente sich der regelmäßig erscheinende Telefunken-Pressedienst häufig historischer Daten aus der Technikgeschichte, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Unternehmen zu lenken.

Als jüngstes Ergebnis jenes unternehmenshistorischen Interesses konnte 2003 die „Initiative Telefunken nach 100 Jahren“ einen gleichnamigen Sammelband zum 100jährigen Jubiläum vorlegen. Am 18.03.2004 eröffnete das DTMB im eigenen Haus eine Sonderschau „Der Stern von Telefunken – Geschichte einer Weltfirma“.

Der Bestand kann im Historischen Archiv im Deutschen Technikmuseum, Trebbiner Str. 9, 10963 Berlin eingesehen werden.