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DY 30

Abteilung Kultur im ZK der SED

1946 - 1990
2009
Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv
(Berlin)

Scope and content

Zusammenfassung

Der Teilbestand enthält Grundsatzdokumente über die Kulturpolitik der SED, die Zusammenarbeit der Abteilung Kultur mit den SED-Bezirksleitungen, kulturellen Einrichtungen und Organisationen der DDR. Belegt sind die Tätigkeit des Ministeriums für Kultur der DDR, die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit, die Entwicklung der Bildenden Kunst, Literatur, Musik, die Theaterarbeit, Unterhaltungskunst und sporadisch die Tätigkeit der Kunsthoch- und Fachschulen in der DDR sowie das Film- und Fernsehschaffen. Das Archivgut trifft sporadisch Aussagen über das Bibliothekswesen, teilweise über Verlage und Redaktionen und über die internationale kulturelle Zusammenarbeit mit Parteien und internationalen Organisationen, insbesondere mit der Bundesrepublik Deutschland.

Kopfzeile

Kurzbeschreibung:

Bearbeitet wurde das Schriftgut von Archivaren/innen im Zentralen Parteiarchiv der SED. 1975 von Erich Woitinas und Franz Göttlicher (1. Teil, bis 1962), 1977/1978 von Franz Göttlicher und Eva Hunger (2. Teil, 1963 bis 1971), 1990 von Dr. Simone Walther (3.Teil, 1972 bis 1980) und abschließend in der Stiftung der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv 2008/2009 von Sylvia Gräfe (4. Teil, 1961 bis 1990).
Dieser Bestand setzt sich aus vier Teilen zusammen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten bearbeitet wurden. Ihre jeweiligen Signaturen unterscheiden sich leicht. Für das Archivgut im "1. Teil" lautet die Bestandssignatur: DY 30/IV 2/9.06/..., für den "2. Teil": DY 30/IV A 2/9.06/...., hier wurde ein "A" eingefügt und für den "3. Teil": DY 30/IV B 2/9.06/...., hier wurde ein "B" eingefügt. Bitte beachten Sie diese Besonderheit bei der Bestellung und Zitierung der Akten.

Aufgaben und Schriftgut der Abteilung Kultur im ZK der SED

1946 wurde beim Parteivorstand der SED die Abteilung Kultur und Erziehung gebildet. Auf Beschluss des Zentralsekretariats wurde sie 1947 mit der Abteilung Parteischulung zur Abteilung Parteischulung, Kultur und Erziehung zusammengelegt, die bis 1950 bestand. 1950 bis 1952 existierte eine Abteilung Kultur, deren Zuständigkeit auch weiterhin die Bereiche Bildung und Erziehung einschloss. Im November 1952 wurde die Abteilung Schöne Literatur und Kunst gebildet, die sich ab September 1953 Abteilung Kunst, Literatur und kulturelle Massenarbeit nannte. Durch Zusammenlegung der Abteilung Kunst, Literatur, kulturelle Massenarbeit und der Abteilung Allgemeinbildende Schulen entstand im März 1957 die Abteilung Volksbildung und Kultur. Ende 1957 wurden die Bereiche wieder getrennt und selbständige Abteilungen für Kultur bzw. Volksbildung geschaffen.
Die Abteilung gliederte sich bis 1989 in die Bereiche Sektor Internationale kulturelle Arbeit, Sektor Kulturelle Massenarbeit, Sektor Kunst und Literatur, Sektor Verlage, Buchhandel und wissenschaftliche Bibliotheken. Leiter der Abteilung waren Richard Weimann (1946-1948) gemeinsam mit Otto Winzer (1947) bzw. Fred Oelßner (1947/1948), Stefan Heymann (1949), Egon Rentzsch (1950-1953), Hans Rießner (1953-1957), Siegfried Wagner (1957-1966), Arno Hochmuth (1966-1971), Hans-Joachim Hoffmann (1971-1973), Peter Heldt (1973-1975), Ursula Ragwitz (1975-1989) und letzter ehrenamtlicher Leiter, Lothar Bisky. Zuständige Sekretäre beim Parteivorstand bzw. Zentralkomitee waren Anton Ackermann (1946-1949) zunächst gemeinsam mit Otto Meier, Fred Oelßner (1949), Hans Lauter (1950-1953), Paul Wandel (1953-1957), Alfred Kurella (1958-1962) und Kurt Hager (1962-1989).
Der Abteilung oblag, teilweise gemeinsam mit der Kulturkommission beim Politbüro, die Erarbeitung von Beschlüssen des Politbüros und Sekretariats zu kulturpolitischen Fragen. Sie kontrollierte die Durchsetzung einer sozialistischen Kulturpolitik und bis zur Herauslösung der Bereiche Bildung und Wissenschaft war sie auch für diese Belange zuständig. Vorrangige Aufgaben waren die Herausbildung einer sozialistischen Intelligenz, die Förderung sozialistischen Kulturschaffens sowie die Abgrenzung zur bürgerlichen Kunst und Ideologie. Entsprechend erfolgte die Anleitung des Ministeriums für Kultur der DDR, der staatlichen Organe, die Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen, Künstlerverbänden, gesellschaftlichen Organisationen DDR und die Gestaltung internationaler kultureller Beziehungen.
Der Teilbestand enthält Dokumente über die Vorbereitung und Auswertung von SED-Parteitagen, die Zusammenarbeit mit den SED-Bezirksleitungen, kulturellen Einrichtungen und Organisationen und die Tätigkeit staatlicher Organe der DDR bei der Umsetzung der Kulturpolitik.
Die Aufgaben und Befugnisse der Abteilung Kultur von 1945 bis 1989, die in der Arbeitsordnung, im Arbeitsplan und im Struktur- und Stellenplan des Sekretariats des ZK der SED festgelegt waren, sind trotz vorhandener Lücken gut dokumentiert. Die Erarbeitung von Grundsatzbeschlüssen, Direktiven und Richtlinien zu Fragen der Kulturpolitik der SED, die direkte Einflussnahme auf Personalangelegenheiten im Bereich Kultur und Kunst, die Anleitung der SED-Bezirksleitungen, der Künstlerverbände, kulturellen staatlichen Einrichtungen und deren SED-Parteiorganisationen werden im Schriftgut sichtbar. Die Bearbeitung der Beschwerden und Bürgereingaben zu verschiedenen Angelegenheiten, die Umsetzung der Reisegenehmigungspraxis für Kunst- und Kulturschaffende, wer wohin reisen durfte, sind ab den siebziger Jahren dokumentiert. Belegt ist vor allem die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultur und Ministerium für Staatssicherheit der DDR, die Entwicklung der Bildenden Kunst, Literatur, Musik, die Theaterarbeit, Unterhaltungskunst und sporadisch das Film- und Fernsehschaffen. Das Archivgut enthält teilweise Aussagen über das Bibliothekswesen, Verlage und Redaktionen und über die internationale kulturelle Zusammenarbeit, insbesondere mit der Bundesrepublik Deutschland. Die in den Aktengruppen vorliegenden Dokumente benennen Differenzen, Auseinandersetzungen aus den Bereichen Kunst und Kultur, vermitteln Details über die Kontrollfunktion der Abteilung Kultur und zeigen die Spielräume und Grenzen der Einflussnahme der SED auf Künstler und Kunstschaffende.
Gemeinsam mit Akten aus dem Sekretariat Meier, dem Büro Alfred Kurella, dem Büro Büros Kurt Hager, dem Büro Werner Lamberz, der Kulturkommission beim Politbüro und der staatlichen Überlieferung bietet das Schriftgut der Abteilung Kultur eine gute Quellengrundlage für Forschungen zur Kulturpolitik in der DDR.


Findmittel und Signaturen

Findbuch, Online-Findbuch
DY 30/ IV 2/9.06/1 bis 315, 1946-1962
DY 30/ IV A 2/9.06/1 bis 176, 1963-1971
DY 30/ IV B 2/9.06/1 bis 161, 1972-1980
DY 30/ 18.532 bis 19.000
DY 30/ 22.157 bis 22.247
DY 30/ 23.001 bis 23500, 1961-1990
teilweise Fiches
29,60 lfm 1946-1990


Bestandsgliederung

1. Abteilung Kultur 1946-1962, Signatur: DY 30/ IV 2/9.06/1-315
1.1. Grundsatzfragen zur Arbeitsweise der Abteilung Kultur
1.2. Sektor Kulturelle Massenarbeit
1.3. Sektor Kunst und Literatur
1.4. Sektor Verlage, Redaktionen und Bibliothekswesen
1.5. Sektor Internationale kulturelle Arbeit

2. Abteilung Kultur 1963-1971, Signatur: DY 30/ IV A 2/9.06/1-176
2.1. Grundsatzfragen zur Arbeitsweise der Abteilung Kultur
2.2. Sektor kulturelle Massenarbeit in der Abteilung Kultur
2.3. Sektor Kunst und Literatur
2.4. Sektor Verlage, Buchhandel und wissenschaftliche Bibliotheken
2.5. Sektor Internationale kulturelle Arbeit

3. Abteilung Kultur 1972-1980, Signatur: DY 30/ IV B 2/9.06/1-161
3.1. Grundsatzfragen zur Arbeitsweise der Abteilung Kultur
3.2. Sektor Internationale kulturelle Arbeit
3.3. Sektor Kulturelle Massenarbeit
3.4. Sektor Kunst und Literatur
3.5. Sektor Verlage, Buchhandel und wissenschaftliche Bibliotheken
3.6. Sonderschule des Zentralkomitees in Woltersdorf

4. Abteilung Kultur 1951-1989, Signatur DY30/ 18.532-19.000, 22.157-22.247, 23.001-23.500 (1.060 Akten)
4.1. Grundsatzfragen zur Arbeitsweise der Abteilung Kultur
4.2. Sektor Internationale kulturelle Arbeit
4.3. Sektor Kulturelle Massenarbeit
4.4. Sektor Kunst und Literatur
4.5. Sektor Verlage, Buchhandel und wissenschaftliche Bibliotheken

Persönlichkeitsrechte und Zitierweise der Akten

Eine Einsichtnahme in Akten mit personenbezogenen Vorgängen und Angaben über natürliche Personen erfolgt nach dem Bundesarchivgesetz Paragraph 5, Absatz 5. Vor der Einsicht der Akten, die Persönlichkeitsrechte berühren, hat der Benutzer eine Erklärung zu unterschreiben. Er prüft vor einer Veröffentlichung gewissenhaft, ob Namen und Aussagen zu Personen aus persönlichkeitsrechtlicher Sicht nur anonymisiert verwendet werden.

Für die Quellenangabe ist wie folgt zu zitieren: BArch Bestandssignatur/Nummer des Aktenbandes/ggf. Blattzahl
(z.B. BArch DY 30/...).

Literaturhinweise

Die folgende Literaturauswahl nennt Publikationen, in denen Dokumente und Zeitzeugen über die Kulturpolitik Auskunft geben und berichten:

Anderson, Edith, Liebe im Exil. Erinnerungen einer amerikanischen Schriftstellerin an das Leben im Berlin der Nachkriegszeit, Berlin 2007.

Berchtig, Franke, Künstlerkolonie Worpswede, München 2006.

Beutelschmidt, Thomas, Kooperation oder Konkurrenz? Das Verhältnis zwischen Film und Fernsehen in der DDR. DEFA-Stiftung Berlin 2009.

Beyer, Frank, Wenn der Wind sich dreht. Meine Filme, mein Leben, München 2002.

Beyer, Susanne, Palucca. Die Biografie, Berlin 2009.

Bisky, Lothar, So viele Träume. Mein Leben, Berlin 2005.

Bürger, Annekathrin und Decker, Kerstin, Der Rest, der bleibt. Erinnerungen an ein unvollkommenes Leben, München 2007.

Dietzel, Ulrich, Männer und Masken. Ein Tagebuch Kunst und Politik in Ostdeutschland, Leipzig 2003.

Domröse, Angelica, Ich fang mich selbst ein. Mein Leben. Aufgeschrieben von Kerstin Decker, Bergisch Gladbach 2003.

Düren, Fred, Ich muß ja den Weg gehen, den ich gehen kann. Schauspieler in
Berlin - Jahre in Jerusalem, Berlin 2007.

Esche, Eberhard, Der Hase im Rausch, Berlin 2000.

Esche, Eberhard, Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen, Berlin 2005.

Esche, Eberhard, Ein Stolz, der groß ist. Letzte Worte, Berlin 2007.

Fensch, Eberhard, So und nur noch besser. Wie Honecker das Fernsehen wollte, Berlin 2007.

Glatzeder, Winfried und Runge, Manuela, Paul und ich. Autobiographie, Berlin 2008.

Gutschke, Gertrud und Kant Hermann, Hermann Kant. Die Sache und die Sachen, Berlin 2007.

Habel, F.-B., Lexikon. Schauspieler in der DDR, Berlin 2009.

Hager, Kurt, Erinnerungen, Leipzig 1996.

Hecht, Werner, Brechts Leben in schwierigen Zeiten. Geschichten, Frankfurt am Main 2007.

Herzberg, Wolfgang (Hrsg.), Gerry Wolff: Die Rose war rot. Eine Schauspielerlegende erinnert sich, Berlin 2006.

Hörnigk, Frank, Erwin Geschonneck - eine deutsche Biographie, Berlin 2006.

Hoffmann, Gertraude/Höpcke, Klaus (Hrsg.), Das Sicherste ist die Veränderung. Hans-Joachim Hoffmann Kulturminister der DDR und häufig verdächtiger Demokrat, Berlin 2003.

Irmer, Thomas/Schmidt, Matthias, Die Bühnenrepublik. Theater in der DDR. Ein kurzer Abriß mit längeren Interviews, Berlin 2003.

Karusseit, Ursula, Wege übers Land und durch die Zeiten, Berlin 2009.

Keller, Dietmar, Minister auf Abruf. Möglichkeiten und Grenzen von 121 Tagen im Amt, Berlin 1990.

Keller, Inge und Schütt, Hans-Dieter, Inge Keller - Alles aufs Spiel gesetzt, Berlin 2007.

Köfer, Herbert, Nie war es so verrückt wie immer... Erinnerungen, Berlin 2008.

Köster, Heiner und Marianne (Hrsg.), Gestern und in dieser Zeit. Festschrift zum Achtzigsten Geburtstag von Bernhard Heisig, Leipzig 2005.

Krug, Manfred, Abgehauen. Ein Mitschnitt und ein Tagebuch, Düsseldorf 1996.

Lakomy, Reinhard, Es war doch nicht das letzte Mal. Erinnerungen, Berlin 2000.

Ludwig, Rolf und Ludwig, Gisela, Nüchtern betrachtet... Erinnerungen eines Volksschauspielers, aufgeschrieben von Gabriele Stave, Berlin 2004.

Magenau, Jörg, Christa Wolf. Eine Biographie, Hamburg 2003.

Matthäuer-Neustädt, Ursula; Schönemann, Heinz; Koch, Hartmut; Rodegast, Claus (Hrsg.), Meine Sonnen heißen Trotz alledem! Erinnerungen an Wolfgang Mattheuer, Bonn 2007.

Michel, Gabriele, Armin Mueller-Stahl. Die Biographie, München 2000.

Mittenzwei, Werner, Das Leben des Bertolt Brecht oder der Umgang mit den Welträtseln. Erster Band und Zweiter Band, Berlin und Weimar 1989.

Müller, Heiner, Krieg ohne Schlacht. Leben in zwei Diktaturen. Eine Autobiographie, Köln 2003.

Oelschlegel, Vera, Wenn das meine Mutter wüßt. Selbstporträt, Frankfurt/Main-Berlin 1991.

Piur, Helga, Ein Häppchen von mir. Erinnerungen, Berlin 2009.

Poss, Ingrid/Warnecke, Peter, Der ungeteilte Himmel. Schauspieler aus der DDR erzählen, Berlin 2009.

Thate, Hilmar mit Retemeyer, Kerstin, Neulich als ich noch Kind war. Autobiografie – Versuch eines Zeitgenossen, Bergisch Gladbach 2006.

Törne, Dorothea von, Brigitte Reimann, Einfach wirklich leben, eine Biographie, Berlin 2001.

Schirmer, Gisela, Willi Sitte. Farben und Folgen. Eine Autobiographie. Mit Skizzen und Zeichnungen des Künstlers, Leipzig 2003.

Schmidt, Hans-Werner (Herausgeber), Tübke. Die Retrospektive zum 80. Geburtstag, Leipzig 2009.

Schreyer, Wolfgang, Der zweite Mann. Rückblick auf das Leben und Schreiben, Berlin 2008.

Schütt, Hans-Dieter, Kurt Böwe. Der lange kurze Atem, Berlin 1999.

Schütt, Hans-Dieter und Langhoff, Thomas: Spielzeit Lebenszeit. Thomas Langhoff, Berlin 2008.

Schwill, Ernst-Georg, Is doch keene Frage nich. Erinnerungen eines Schauspielers, Berlin 2008.

Sordann, Peter mit Korsowsky, Jens-Uwe, Keine halben Sachen. Erinnerungen, Berlin 2008.

Steineckert, Gisela: Veronika Fischer, Diese Sehnsucht nach Wärme, Berlin 2002

Troegner, Franziska, Fürs Schubfach zu dick, Berlin2009.

Wekwerth, Wolfgang, Erinnern ist Leben. Eine dramatische Autobiographie, Leipzig 2000.

Womacka, Walter, Farbe bekennen. Erinnerungen eines Malers, Berlin 2004.

Zumpe, Dieter, Rolf Hoppe. Geträumtes Leben – Geliebte Träume, Dresden 2007.


Text: Sylvia Gräfe
Berlin, Dezember 2009

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